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Gender-Gesundheit

Dass angeblich Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken sollen ist uns als Stereotyp ja bekannt. Der Vorlesungstitel "Warum Frauen jammern und Männer sich umbringen" klingt schon etwas ernsthafter und macht nachdenklich. Worin unterscheiden sich Männer und Frauen denn nun wirklich und wie können wir das für mehr Gesundheit für weniger Geld umsetzen?

Frauen und Männer unterscheiden sich biologisch (engl. sex) durch unterschiedliche Chromosomen (XX und XY) sowie durch die Geschlechtshormone. Sie unterscheiden sich darüber hinaus durch ihre soziale Prägung auf Geschlechterrollen (engl. gender).

Frauen sind oft der Dreifachbelastung Familie, Beruf und Pflege der Eltern ausgesetzt. Nicht zu vergessen: 40 % der Frauen in Deutschland erleben/erlebten körperliche oder sexuelle Gewalt. Männer sterben dagegen doppelt so häufig an Unfällen, trinken mehr Alkohol, gehen größere private und berufliche Risiken ein, suchen später einen Arzt auf und nehmen weniger Präventionsleitungen in Anspruch. Ihre Suizidrate liegt deutlich höher. Diese unterschiedlichen Lebenswelten prägen letztlich die Gesundheit.

In Prävention, Diagnostik und Therapie nehmen Genderaspekte einen immer größeren Raum ein. Grund: Frauen und Männer zeigen bei gleicher Erkrankung unterschiedliche Symptome und reagieren unterschiedlich auf eine identische Medikation.

Vorreiterinnen dieses differenzierten Blicks waren bereits in den 70-er Jahren die Frauengesundheitszentren, die sich kritisch mit der vor allem gynäkologischen Versorgung auseinandersetzten. Doch auch heute wird in der Medizin oft noch nicht genügend differenziert.

Was sollten wir uns bewusst machen?

1. Beispiel: Herzinfarkt - Unterschiedliche Symptome und Schilderungen bei der selben Erkrankung (Quelle: Ärztezeitung 29.11.12)
"Männer und Frauen nehmen Herzinfarkte unterschiedlich wahr. Frauen kommen später in die Notaufnahme. Dort wiederum dauert es länger, bis die Akutversorgung beginnt.
Weil die Dosierungsempfehlungen für Gerinnungshemmer auf Männer abgestimmt sind, erhalten Frauen oft zu viel davon. Blutungskomplikationen beim Einsetzen der Katheter sind deshalb häufiger bei Frauen als bei Männern.

Deutschlands einzige Direktorin eines Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin (GiM, Charité), Professor Vera Regitz-Zagrosek, kann sich vorstellen, warum die aufnehmenden Ärzte in Kliniken bei Frauen mit Herzinfarkt zunächst auf die falsche Spur geraten können.
Frauen schilderten in der Regel acht bis zehn Symptome, Männer oft nur ein bis zwei, berichtete Regitz-Zagrosek beim jährlichen Symposium zur Gendermedizin in Berlin.
Noch scheinen Ärzte von der Ausbildung her auf das typisch männliche Verhalten und Infarktbild geprägt zu sein. "Ärzte müssen wissen, dass Frauen ein anderes Bild von ihren Beschwerden zeichnen als Männer."
Während Männer lediglich auf die Brustschmerzen und deren Ausstrahlen in den linken Arm abhöben, seien bei Frauen zum Brustschmerz auch Rücken- und Kieferschmerzen häufiger. Schweißausbrüche, Übelkeit und extreme Müdigkeit würden von den Ärzten oft nicht als Infarktsymptome wahrgenommen.
Dass die kardiovaskulären Risiken für Frauen höher einzuschätzen sind als ihr Krebsrisiko, ist unter Frauen weitgehend unbekannt. Gründe für den Anstieg der Infarktzahlen bei jüngeren Frauen seien Übergewicht und Rauchen.
"Wir müssen diese Frauen unbedingt erreichen, sonst rollt das Gesundheitswesen auf eine Katastrophe zu", sagte Regitz-Zagrosek und zeichnete ein düsteres Bild."

2. Beispiel: Medikamentenverordnung (Quelle: aponet.de 09.06.12)
"So leiden Frauen beispielsweise öfter und intensiver an Osteoporose, Rheuma, Asthma, Migräne oder Diabetes. Männer treffen häufiger verschiedene Krebsarten, Herzleiden und Morbus Bechterew. "Nichtsdestotrotz konzentriert sich die Forschung grundsätzlich auf den männlichen Organismus", bedauert Wenzel. So verwenden viele Wissenschaftler männliche Versuchstiere. Zudem nehmen an klinischen Studien mehr Männer teil.
Dies hat Folgen. Wenzel weist darauf hin, dass unerwünschte Nebenwirkungen von Arzneimitteln bei Frauen wesentlich häufiger auftreten. Laut dem Pharmakologen könne dies daran liegen, dass Frauen Arzneidosen erhalten, die aus Studienergebnissen mit Männern abgeleitet wurden. Daneben spielen die Sexualhormone sicherlich eine wichtige Rolle."

3. Beispiel: Stereotype Rollenvorstellung seitens der BehandlerInnen (Quelle: Pharmazeutische Zeitung 05/13)
"Eine Münchner Untersuchung hat 2007 ergeben, dass bei gleicher Beschreibung psychischer Symptome Männer häufiger eine organische Diagnose, Frauen dagegen eine psychosomatische Verdachtsdiagnose zugeschrieben bekommen." "Offensichtlich müssen zum einen überholte Denkschemata wie »Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen eher Männer, Depression ist eine Frauenkrankheit« auch bei Medizinern ausgemerzt werden. Zum anderen ist zu berücksichtigen, dass Männer und Frauen bei ein- und derselben Erkrankung unterschiedliche Symptome zeigen können. So äußert sich eine Depression bei Männern häufig atypisch durch Aggression, Wutanfälle oder Drogenmissbrauch; Frauen hingegen leiden bei einem akuten Herzinfarkt häufig unter Bauch-, Rücken-, Nackenschmerzen oder Kurzatmigkeit."

4. Beispiel: Unterschiedliche Behandlung gleicher Diagnosen durch Ärztinnen und Ärzte (Quelle: Ärzteblatt)
"Nach Darstellung von Regitz-Zagrosek behandeln Ärztinnen Diabetikerinnen und Diabetiker teilweise anders als Ärzte. Sie erklären beispielsweise notwendige Diätmaßnahmen besser. Auswertungen des Chronikerprogramms Diabetes hätten zudem ergeben, dass einbezogene Frauen schlechter versorgt würden als Männer. Die entsprechenden Daten seien bis heute aber nicht publiziert, kritisierte die Ärztin."

Fazit:

Für Profis:

Beide Geschlechter profitieren,
- wenn ihre Unterschiede wahrgenommen werden,
- wenn sie adäquat angesprochen werden,
- wenn Präventionsangebote und Therapiemaßnahmen auf sie abgestimmt werden.

Für PatientInnen:

Generell sollten Sie bei Prävention, Diagnostik und Behandlung solange nachfragen, bis Sie alle für Sie relevanten Informationen verstanden haben. Das ist Ihr gutes Recht. Schreiben Sie dabei ruhig mit. Fragen Sie vor allem danach, welche geschlechtsspezifischen Besonderheiten in Ihrem Fall zu berücksichtigen sind. Holen Sie dann selbst weitere Informationen ein. Eine Linkliste finden Sie weiter unten...

Die Fakten im Gesundheitswesen:

Obwohl die medizinische Versorgung zukünftig überwiegend in der Hand von Ärztinnen liegen wird, sind die oberen Führungsetagen in Politik, Forschung und Verwaltung im deutschen Gesundheitswesen nach wie vor männlich dominiert.
Sind noch 67 Prozent aller Studienanfänger der Medizin weiblich, so reduziert sich ihr Anteil bei den leitenden Oberarztstellen auf 24 Prozent. Leitende Krankenhausärztinnen gibt es nur zu 8,8 Prozent. Nur knapp sechs Prozent der medizinischen Lehrstühle sind von Frauen besetzt. Selbst in der Frauenheilkunde werden bei 36 Medizinfakultäten nur zwei von Ordinaria geführt. Und: Wie in anderen Branchen auch müssen Frauen im deutschen Gesundheitswesen rund drei Monate länger arbeiten, um auf das gleiche Gehalt zu kommen wie ihre männlichen Kollegen. (Quelle: zm-online 16.04.13)

Wo wirkt der Vorschlag überwiegend?

  • Erhaltung der Gesundheit
  • Wiedererlangung der Gesundheit

In welchem Stadium befindet sich der Vorschlag?

  • Etablierte Maßnahme, aber noch stark verbreitungsbedürftig

Worin liegt der konkrete Gesundheitsnutzen?

Ein differenziertes Herangehen sowohl in der Gesundheitsförderung als auch in der -versorgung kann hier helfen, wesentlich bedarfsgerechter und erfolgreicher zu praktizieren.

Wodurch werden konkret die Kosten gesenkt?

Es liegen zwar leider noch keine Studien vor, die hier konkrete Aussagen in Euro-Ersparnis treffen. Jedoch liegt es auf der Hand, dass eine bedarfsgerechtere Versorgung zu besseren und schnelleren Heilungschancen führt, was in der Konsequenz Kosten senkt.

Links:

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